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    Frankfurt: Klima, Digitalisierung, Gewerkschaften und Arbeitskampf 4.0. Konferenz am 28. und 29. Februar zu Systemwandel und Gewerkschaft.

    Gepostet von fauma4 am 7. Februar 2020

    Wir leben in einem Zeitalter gigantischer Umwälzungen und Angriffe auf unser Leben. Täglich und nahezu ungebremst schreitet die Zerstörung unserer zentralen Lebensgrundlage – der Umwelt – fort. Während Hunderttausende auf Grund des Klimawandels zur Flucht genötigt werden, erleben wir parallel eine durch Digitalisierung und Technologiekonzerne getriebene Ökonomisierung aller Lebensbereiche.

    Allumfassende Überwachungsmöglichkeiten, Roboterisierung der Arbeit und der Pflege, Disziplinierung durch Scoringsysteme, Firmen, die gebucht werden können, um Wahlergebnisse zu beeinflussen und das Phänomen der Parallelwelten in den sozialen Medien, über die Menschen Informationen lediglich aus ihrer Filterblase beziehen, anstatt auf der Grundlage gemeinsamer Informationen handeln zu können, sind nur einige Aspekte der mit der Digitalisierung einhergehenden Entwicklung.

    Seit gut einem Jahr ist die Bewegung Fridays for Future in aller Munde. Außer der Verabschiedung eines unzureichenden Klimapaketes in Deutschland und den durch ihre mediale Präsenz in vielen Kreisen der Gesellschaft angefachte Klima-Diskussionen, konnte sie bislang nach eigenen Aussagen allerdings wenig erreichen. Der geforderte und notwendige Systemwandel lässt leider auf sich warten. Ein Grund ist vermutlich im hauptsächlich an die Politik gerichteten Appell-Charakter der Fridays for Future-Forderungen zu suchen.

    Unabdingbar scheint die Beantwortung der Frage, wie wir in einem Prozess der Selbstermächtigung unsere Interessen für eine ressourcensparende und klimaerhaltende Produktion durchsetzen können.

    Lässt sich der technische Fortschritt der Digitalisierung gar für diese Ziele positiv nutzen oder befeuert er vielmehr das sich immer schneller drehende Hamsterrad der Globalisierung? Welche Rolle sollen, ja müssen Gewerkschaften bei den gewaltigen, anstehenden Umwälzungsprozessen spielen? Gibt es überhaupt eine Zukunft der Gewerkschaften angesichts von Prognosen, die davon ausgehen, dass sich das Proletariat in rund 20 Jahren weitestgehend selber abgeschafft haben wird?

    Auf der Konferenz wollen wir gemeinsam mit Gewerkschafter*innen, Lohnabhängigen und Interessierten der Frage nachgehen, ob Gewerkschaften ein geeignetes Instrument sein können, eine kollektiv bestimmte, ökologische Produktion voranzutreiben, ohne dabei den Erhalt von Arbeitsplätzen als Selbstzweck über alles andere zu stellen.

    Die Frage, wie eine Vergesellschaftung des technischen Fortschrittes aussehen kann, scheint insbesondere in diesem Zusammenhang zentral, sofern wir den Gewinn am technischen Fortschritt nicht wieder wenigen Privateigner*innen überlassen wollen, während die Masse die negativen Folgen desselben sogenannten Fortschrittes zu tragen hat.

    Getreu dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ werden wir entlang ausgewählter Branchen gewerkschaftliche Handlungsoptionen zu den Themen Klima, Digitalisierung und Gewerkschaft entwickeln. Als Ausdruck der Selbstermächtigung liegen uns hierbei solidarische Arbeitskämpfe von morgen am Herzen. Diese müssen aus unserer Sicht weit über aktuelle Tageskämpfe um mehr Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen hinausgehen. Arbeitskampf 4.0 muss in ein antikapitalistisches Programm des Systemwandels eingebettet werden, ohne den es kein kollektives, unsere Lebensgrundlagen erhaltendes Wirtschaften geben kann.

    Wir rufen alle Lohnabhängigen und Gewerkschafter*innen, für die Gewerkschaft mehr als nur ein Instrument für die kurzfristige Verbesserung der eigenen Arbeitsbedingungen ist auf, gemeinsam mit uns die Rolle von Gewerkschaft neu zu definieren. Gesucht sind Gewerkschaften, die sich der aktuell drängenden Fragen nach unserer Welt von morgen annehmen und mutig für die notwendigen Änderungen kämpfen, selbst wenn dafür der Abschied von bisherigen Eigentumsverhältnissen und Privilegien notwendig wird.

    Programm

    • Freitag, 28. Februar 2020

    19:30 Uhr: Keynotes zu den einzelnen AGs
    und anschließende Diskussion mit den Referenten*innen der AGs und Fridays for Future Frankfurt (angefragt)

    • Samstag, 29. Februar 2020

    09:30 – 12:00 Uhr: Arbeitsgruppen
    AG I – Klima & Gewerkschaft
    Mit Anna Müller und Jan Westphalen – FAU Frankfurt

    Durch den momentan immer steigenden Konsum werden zunehmend viele Ressourcen gebraucht. Gleichzeitig werden diese aber knapper, wie z.B. Erdöl oder seltene Erden. Die Möglichkeiten der Produktion sind also begrenzt; die Produktion von Gütern wird nicht nur umgestellt werden müssen, sie muss auch reduziert werden. Es wird zukünftig also auch weniger Arbeit nötig sein (zumindest in der klassischen Industrie). Unter der Schlagwort „Postwachstum“ befassen sich verschiedene Konzepte mit einer Wirtschaftsform, die ohne Wachstum funktioniert. Statt immer mehr zu produzieren, soll der Fokus z.B. auf Arbeitszeitreduzierung oder der Herstellung von Gütern liegen, die möglichst lange halten und einfach zu reparieren sind. Ziel ist eine nachhaltigere Produktion und damit auch ein Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit. Wir wollen uns anschauen, welche Möglichkeiten Gewerkschaften haben, diesen Prozess des Systemwandels (mit) zu gestalten. Hierbei wollen wir nicht nur auf die Umstellung zu einer ökologischen Produktion blicken, sondern auch auf Möglichkeiten der Wirtschaftsdemokratisierung als Teil einer grundsätzlichen Gesellschaftsveränderung.

    AG II – Pflegenotstand & Systemwechsel
    Mit Robin Mohan (Soziologe)

    Neben dem Klimawandel und der Digitalisierung gilt heute der „Pflegenotstand“ als zentrales Zukunftsproblem eigener Art. Inwiefern handelt es sich um ein strukturelles Problem des (gegenwärtigen) Kapitalismus? Warum ist Digitalisierung in diesem Bereich nur in sehr beschränktem Maße wünschenswert? Welche Kämpfe haben die Pflegebeschäftigten geführt und wie können sie weitergeführt und mit anderen Kämpfen verbunden werden?

    AG III  – Zukunft der Automobilbranche
    Mit einem ehemaligen Betriebsrat des Automobilzulieferers >Freudenberg<

    Die AG wird sich mit den durch den neuen E-Auto Hype getriebenen Veränderungen in der Automobilbranche unter anderem an Hand eines konkreten Beispiels – den Elektro-Batterien – befassen. Ein Fokus liegt hierbei auf der politischen Einordnung der aktuellen Veränderungen.

    12:00 – 13:00 Uhr: Mittagspause

    13:00 – 15:30 Uhr: Arbeitsgruppen

    AG IV – Sturm auf die Maschine oder totale Unterwerfung?
    Mit Dörthe Stein – FAU Frankfurt (Internetspezialistin und Projektmanagerin in der ITK-Branche)

    Die AG wird sich zunächst mit der Verortung der alle Lebensbereiche durchdringenden Digitalisierung befassen. Hierzu werden einige ausgewählte Perspektiven in den Blick genommen.

    • Roboterisierung der Arbeit
      Über Chancen, Risiken und soziale Folgen der aktuellen Automatisierungstrends in Industrie und Zivilgesellschaft.
    • Digitale Macht
      Von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten digitaler Überwachung und ihrer disziplinierende Wirkung
    • Maschinensturm 4.0 oder totale Unterwerfung
      (Wie) kann die Vergesellschaftung digitaler Infrastruktur als Baustein zur Gestaltung einer ökologischen und sozialen Wirtschaft dienen oder müssen einige technologische Entwicklungen als Instrumente der Unterwerfung entschieden bekämpft werden?

    Im zweiten Teil der AG sollen die zuvor herausgearbeiteten Aussagen und Thesen in Bezug zu sich ergebenen gewerkschaftlichen Handlungsfeldern gesetzt werden.

    • Gewerkschaft von morgen
    • Gewerkschaft, Ökologie und ITK Branche > zentrale Herausforderungen
    • Handlungsfelder für die nahe und die antikapitalistische Zukunft
    • Konkrete Aktionsansätze und mögliche Akteure*innen

    AG V – Digitalisierung in der Textilbranche und Möglichkeiten von Widerständigkeit
    Mit Ernest Mirant, tie global

    Digitalisierung bedeutet nicht nur einen technischen Wandel oder den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern eine grundsätzliche Veränderung von Tätigkeiten, betrieblichen Kontrollformen, sowie des Selbstverständnisses von Beschäftigten. Seit zwei Jahren erarbeiten wir uns zusammen mit Beschäftigten der Modebranche ein Verständnis der Veränderungen. Wie müssen zukünftige Kämpfe um gute Lebens- und Arbeitsbedingungen und eine nachhaltige Textilbranche unter den veränderten Bedingungen aussehen und von wem müssen sie geführt werden?

    AG VI – Zukunft der Arbeit im Sozialwesen
    Zwischen emanzipativen Vorstellungen, Ökonomisierungsdruck und einer sich  stark verändernden Umwelt.
    Mit Julia Mai – FAU Frankfurt (Sozialarbeiterin) und Karsten Renner – FAU Frankfurt (Sozialarbeiter)

    Geprägt von Effizienzkriterien, einem hohen Kostendruck, sowie dem starken Fachkräftemangel bei anhaltend niedrigen Gehältern, ist die Arbeit im Sozialwesen von starken Ökonomisierungs- tendenzen betroffen und übernimmt zunehmend die Rolle der „Elends-Verwalterin“.
    Ausgehend von der Annahme, dass sich die soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft – auch getrieben durch die Digitalisierung in anderen Branchen – weiterhin verschärfen wird, möchten wir  diskutieren, welche Entwicklungen auf uns zukommen und wie eine (Re)politisierung der Sozialen Arbeit und ihrer Beschäftigten unter dem Begriff „Arbeitskampf 4.0“ stattfinden kann.

    15:45 – 17:30 Uhr: Plenum
    Zusammentragen der Ergebnisse und Diskussion

    17:30 – 17:45 Uhr: Fazit & Verabschiedung

    www.unions4future.blogspot.com

    Konferenz: Unions for Future:

    Klima, Digitalisierung, Gewerkschaften und Arbeitskampf 4.0. Konferenz am 28. und 29. Februar zu Systemwandel und Gewerkschaft.

    • 28.02.2020 ab19:30
    • Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Mertonstr. 26

    Zum Appell von Fridays for Future „Streikt mit uns“ am 20. September 2019 Aufruf an Kolleginnen und Kollegen: Wir sind gefordert – Seid auch dabei!

    Gepostet von fauma4 am 8. Juli 2019

    Wir dokumentieren den Aufruf der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für Klimaschutz, den das Allgemeine Syndikat Mannheim unterstützt:

     

    https://revoltmag.org/media/images/EG_02.e7ac0de2.fill-840x420-c100.jpg

    Greta Thunberg, Luisa Neubauer und viele andere junge Menschen von Fridays for Future rufen für den 20. September 2019 zu einem weltweiten Klimastreiktag auf. In ihrem Aufruf heißt es: „Jahre sind mit Gerede vergangen, mit unzähligen Verhandlungen, mit nutzlosen Vereinbarungen zum Klimawandel. Firmen, die fossile Brennstoffe fördern, durften jahrzehntelang ungehindert in unseren Böden schürfen und unsere Zukunft abfackeln. Politiker wussten seit Jahrzehnten über den Klimawandel Bescheid. Sie haben die Verantwortung für unsere Zukunft bereitwillig Profiteuren überlassen, deren Suche nach schnellem Geld unsere Existenz bedroht. … Wir jungen Leute können unseren Beitrag für einen größeren Kampf leisten, und das kann einen großen Unterschied machen. Aber das funktioniert nur, wenn unser Aufschlag als Aufruf verstanden wird. Deswegen ist dies unsere Einladung.

    Am Freitag, 20. September, werden wir mit einem weltweiten Streik eine Aktionswoche für das Klima beginnen. Wir bitten Sie, sich uns anzuschließen. Es gibt in verschiedenen Teilen der Welt viele verschiedene Pläne für Erwachsene sich zusammenzuschließen, Farbe zu bekennen und sich für unser Klima aus der Komfortzone heraus zu wagen. Lasst uns diese Pläne zusammenbringen, gehen Sie an diesem Tag mit ihren Nachbarn, Kollegen, Freunden und Familien auf die Straße, damit unsere Stimmen gehört werden und dies ein Wendepunkt wird. […] um alles zu verändern, brauchen wir alle. Es ist Zeit für uns alle, massenhaften Widerstand zu leisten – wir haben gezeigt, dass kollektive Aktionen funktionieren. Wir müssen den Druck erhöhen, um sicherzustellen, dass der Wandel passiert. Und wir müssen ihn gemeinsam beschleunigen. Dies ist also unsere Chance – schließt euch unseren Klimastreiks und -aktionen in diesem September an.“

    Klimaschutz UND Arbeitsplätze

    Dies verstehen wir auch als Aufruf an Gewerkschaften, Betriebsräte, Arbeitnehmer*innen, aktiv zu werden und sich für den Klimaschutz und zukunftsweisende Arbeitsplätze einzusetzen. Auch wir wollen wie die Eltern und Wissenschaftler (Parents und Scientists for Future) unseren Beitrag dazu leisten, dass der 20. September Auftakt zu einer Wende hin zu einer sozialen und ökologischen Gesellschaft wird. An diesem Tag können Betriebsversammlungen stattfinden, Aushänge gemacht und Flugblätter verteilt werden. Es können Warnstreiks für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Erneuerbaren Energien organisiert und für die Beteiligung an den Demonstrationen mobilisiert werden. Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen dazu auf, kreativ mitzuwirken, damit die Gewerkschaften und Beschäftigte aktiver Teil der Klimabewegung werden.

    Ein Flugblatt des Allgemeinen Syndikats der FAU Frankfurt zum Thema findet ihr hier.

    https://www.kalinka-m.org/wp-content/uploads/2019/04/Streik_klein.jpg