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    Mannheims „andere“ Arbeiterbewegung

    Gepostet von fauma4 am 17. Februar 2015

    Wir dokumentieren das Interview mit uns aus der aktuellen Ausgabe der Direkten Aktion:

    Aus der eigenen Geschichte lernen

    Die FAU Mannheim hat ein Lesebuch zur Geschichte der lokalen Arbeiterbewegung herausgebracht. Ein Interview mit den HerausgeberInnen.

     

    Wie seid ihr auf die Idee für das Buch gekommen? Was war der Ausgangspunkt?

    Die FAU Mannheim hat 2013 mit vielen anderen regionalen Gruppen eine alternative Veranstaltungsreihe zu der Baden-Württemberger Landesausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung organisiert. Unsere Absicht war, die Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, die in der Veranstaltungsreihe des Landesmuseums keinen Platz mehr gefunden haben. Dazu gehörten u.a. lokale Aspekte. Das Buch präsentiert die Themen, die auch in unserer gemeinsamen Veranstaltungsreihe keinen Platz mehr fanden, bzw. dokumentiert teilweise auch stattgefundene Veranstaltungen.

     

    Was genau bedeutet für euch die „andere“ Arbeiterbewegung? Wie definiert ihr diesen Begriff? Was wollt ihr damit ausdrücken?

    Der Begriff geht zurück auf die Studie „Die ‚andere‘ Arbeiterbewegung“ von Karl Heinz Roth und Elisabeth Behrens von 1974. Wir wollen damit nicht sagen, dass AnarchistInnen oder AnarchosyndikalistInnen diese „andere“ Arbeiterbewegung wären. Bei Roth sind es vielmehr die wenig bedachten arbeitenden Schichten – unqualifizierte MassenarbeiterInnen, GastarbeiterInnen – die in der offiziellen Geschichtsschreibung nicht vorkommen. Wir verbinden mit dem Begriff für unser Buch eigentlich nichts anderes als die Beschreibung, dass es eben auch Bewegungen und Proteste gab, die oft nicht benannt werden – inhaltlich völlig offen. Der Begriff ist nicht unumstritten und war es auch nicht unter unseren AutorInnen. Deswegen haben wir im Untertitel den Begriff des „Arbeiterradikalismus“ verwendet, den Erhard Lucas in der Debatte der 1970er geprägt hat.

     

    Nach welchen Kriterien habt ihr die Beiträge ausgesucht? Wer hat überhaupt ausgesucht/vorgeschlagen? Wurde im Plenum abgestimmt?

    Es wurde nicht abgestimmt, die Auswahl ist eher aus Zufall zustande gekommen. Wir haben uns ansprechen lassen. Es gab ein starkes Interesse an der Veranstaltungsreihe, und einige ReferentInnen haben direkt Skripte mitgeliefert. Letztlich haben wir ein Herausgebergremium mandatiert, damit uns das Buch nicht in unserer alltäglichen Gewerkschaftsarbeit behindert. Wir haben die Beiträge auch nicht inhaltlich besprochen, denn die Inhalte wollten wir bewusst den AutorInnen überlassen.

     

    Wie seid ihr mit den einzelnen AutorInnen in Kontakt gekommen?

    Das lief sehr unterschiedlich: Hans-Joachim Hirsch vom Stadtarchiv Mannheim haben wir angefragt, weil wir wussten, dass er sich mit dem lokalen Anarchismus beschäftigt. Mia Lindemann hat uns ihre Arbeit zur Rätebewegung angeboten. Uwe Fuhrmann hat eigentlich über die 1948er-Proteste in Stuttgart gearbeitet, seinen Aufenthalt in Mannheim aber genutzt, um die Ereignisse hier vor Ort zu recherchieren. Der Metallarbeiterstreik 1963 ist eine Entdeckung in der Landesausstellung gewesen, die Recherchen dazu gingen von einem Fotobestand aus. Das Thema der wilden Streiks 1973 haben die Mannheimer Jusos in die Diskussion gebracht, da sie selber einen hohen Anteil von Mitgliedern mit Migrationshintergrund haben: Es ist die Geschichte ihrer Eltern oder Großeltern.

     

    Warum gerade Mannheim? Kommt Mannheim eine besondere Stellung zu? Warum gilt das „rote Mannheim“ als radikale Hochburg der Arbeiterbewegung? Wie ist es dazu gekommen? In welchen Kapiteln wird darauf Bezug genommen – und wie? Wie sieht das heute aus?

    Warum Mannheim? Weil wir eben die FAU Mannheim sind! Es ging darum, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Und wir möchten gar nicht behaupten, dass Mannheim eine besondere Stellung zukommt. Ja, Mannheim war eine rote Hochburg, aber bei weitem nicht die einzige. Wenn wir das erklären sollten, brauchten wir sicher einen anderen Ansatz: Das hat etwas mit der lokalen Geschichte der Industrialisierung zu tun – wie auch mit der Frage, wer hier gearbeitet hat und wo diese ArbeiterInnen herkamen. Ansätze dazu finden sich in dem Beitrag von Mia Lindemann. Gerade an dem Beitrag zum Metallarbeiterstreik 1963 lässt sich auch herausarbeiten, dass die Traditionen der verschiedenen Strömungen lange gepflegt wurden.

    Wenn wir heute mit AltgewerkschafterInnen aus Mannheim sprechen, sagen die meisten, es gäbe diese Tradition nicht mehr. Gerade die Neuzugezogenen unter uns nehmen das aber anders wahr: Im Einzelhandelsstreik 2013 stand Mannheim sowohl in der Zahl der bestreikten Betriebe wie auch in der Zahl der Streiktage ganz vorne. Im Frühjahr waren die KollegInnen von Alstom jede Woche auf der Straße, jede Betriebsversammlung endete mit einer Demo. Auch die sozialdemokratischen Parteien berufen sich meines Erachtens hier mehr als anderswo auf eine Tradition der Arbeiterbewegung. Und auch die Kultur nimmt Bezug auf diese Geschichte – die letzten beiden Punkte sind durchaus zweischneidige Schwerter, hier prallen emanzipatorische Tradition und Gentrifizierung aufeinander, aber es gibt nach wie vor diesen Bezug.

    Emma Malsca

    FAU Mannheim (Hg.): Mannheims „andere“ Arbeiterbewegung

    Beispiele eines lokalen Arbeiterradikalismus. Verlag Edition AV, Lich.ISBN 978-3-86841-108-9. 163 Seiten, 14,80 Euro

    BUCHVORSTELLUNG: Mannheims ‘andere’ Arbeiterbewegung

    Gepostet von fauma4 am 22. September 2014

    Wir laden ein für den 25.09.2014 um 20.00 Uhr im wildwest, Alphornstr. 38 in Mannheim:

    Autorinnen und Autoren geben einen Kurzüberblick über die Beiträge, anschließend Sektempfang.

    aabuchwerbung

    Infos zum Buch:

    Das „rote Mannheim“ galt schon lange als „radikale Hochburg“ der Arbeiterbewegung. Aber warum ist das eigentlich so? Die FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union) Mannheim hat verschiedene HistorikerInnen und AktivistInnen gefragt und ihre Beispiele hier versammelt. Dabei kommen allgemeine Themen wie ein Überblick über die Entwicklung des Anarchismus in Mannheim sowie bekannte Ereignisse wie die Räterevolution 1918/1919 genau so zur Sprache wie vergessene Ereignisse: Denn wer weiß heute noch, dass es 1948 – nicht nur in Mannheim, sondern in der gesamten Bizone – einen politischen Generalstreik gegeben hat? Und wer weiß, dass die spontanen Streiks der GastarbeiterInnen 1973 im Rhein-Neckar-Gebiet nicht nur einer der Initialzünder waren, sondern Mannheim auch eine Hochburg dieser „wilden“ Streiks war?

    Sicherlich lässt sich so letztlich nicht begründen, warum eine Stadt zu einer Hochburg des Arbeiterradikalismus wird. Aber die Geschichte und die Geschichten zeigen auf, warum sich dieser Ruf verfestigt und gehalten hat und geben ein Instrumentarium an die Hand, das auch hilft, die Stadt und ihre Kämpfe heute besser zu verstehen.

    Veranstaltung: Mannheimer Rätebewegung(en) 1919

    Gepostet von Administrator am 28. Januar 2014

    Das erste UNION INFOTAINMENT 2014 ist unsere Fortsetzung der Beschäftigung mit den Räte-Ansätzen in Mannheim 1918 – 1920:

    Die Novemberrevolution 1918 war entgegen weitverbreiteter Meinung nicht mit der Gründung der Republik zu Ende. Auseinandersetzungen über Demokratisierung und soziale oder sozialistische Ausgestaltung der Republik dauerten fort. Teil 2 des Vortrags von Mia Lindemann.

    Am 30.01.2014 um 20.00 Uhr
    im wildwest, Alphornstr. 38

    (Haltestellen: Neumarkt oder Carl-Benz-Straße)

    Union Infotainment präsentiert: Arbeiter- und Soldatenräte in der Novemberrevolution

    Gepostet von Administrator am 18. November 2013

    Donnerstag, 28. November 2013, 20.00 Uhr
    Ort: wildwest, Alphornstr. 38, 68169 Mannheim

    Arbeiter- und Soldatenräte in der Novemberrevolution 1918 – Das Beispiel Mannheim

    Neckarstadt1918

    Mannheim war ein Zentrum der ArbeiterInnenbewegung seit ihrem Entstehen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stand die Metallindustrie, der Maschinenbau; im ersten Weltkrieg hatten die Rüstungsbetriebe selbstverständlich besondere Bedeutung für die kriegführende herrschende Klasse. Unter den Durchhalteparolen für die „Heimatfront“ setzte sich seit 1917 die selbstbewusste Mannheimer ArbeiterInnenklasse mit Streiks gegen die materielle Verelendung, aber auch gegen den Krieg zur Wehr; und weit darüber hinausgehend stellten sie politische Forderungen auf, die sie mit Hilfe von Massenstreiks durchzusetzen versuchten.
    Die Niederlage der Monarchie wurde durch die Machtübernahme der Arbeiter- und Soldatenräte im November 1918 besiegelt. Wenn auch die Mannheimer Bewegung sicherlich nicht mit der der Berliner zu vergleichen ist (Revolutionäre Obleute), so ist es doch eine wichtige historische Erfahrung zu wissen, wie die mutigen Arbeiter und Arbeiterinnen vor Ort 1917/1918 und noch 1919 die Forderungen nach einer demokratischen oder auch sozialistischen Republik vorantrieben. Nationalversammlung oder Rätesystem – das war eine Entscheidung, die von den Räten selbst getroffen werden musste. Der Teil der Linken, die eine sozialistische Republik auf der Basis von Räten wollten, war in der Minderheit. Die Auseinandersetzungen über die Ziele der Arbeiterbewegung bestimmten die Weimarer Republik.
    Aber festzuhalten ist, dass am Ende einer ArbeiterInnenbewegung mit der Revolution vom November 1918 die erste (langjährige) deutsche demokratische Republik stand, das Frauenwahlrecht, ein demokratisches Wahlrecht, eine Verfassung.
    In der Veranstaltung am 28. November soll die Mannheimer Arbeiterbewegung dieser Jahre vor der Revolution beleuchtet werden, die revolutionären Ereignisse des Novembers 1918 selbst und ihre Kanalisierung sowie die Auseinandersetzungen, die weit in das Jahr 1919 hinein reichten.