Materialien: Texte, Bilder, Videos

Eric Drooker | Gears in motion from Henning M. Lederer on Vimeo.

Klassenorientierung und Organisierung

In den letzten Jahren gibt es – dankenswerterweise – eine neue linksradikale Debatte über eine neue strategische Ausrichtung. In dieser Diskussion rücken die Klassenverhältnisse wieder in den Fokus der außerparlamentarischen Linken, allen Diskussionsbeiträgen ist auch der Aspekt gemein, dass eine Organisierung als notwendig erachtet wird. Damit knüpft diese neue Debatte an die Traditionen von Arbeiterradikalismus, Syndikalismus und Rätekommunismus an.

Mit ihrem Text “11 Thesen über Kritik linksradikaler Politik, Organisierung und revolutionäre Praxis” liefern die Bremer*innen vom “Kollektiv” einen umfassenden und aktuellen Beitrag zur wieder entfachten Strategiediskussion in der radikalen Linken. Das Ziel dieser sollte eine tatsächliche Gesellschaftsveränderung sein, die eben nur “mit der Gesellschaft” zu machen ist. Als erster Schritt steht deshalb eine Kritik an bisherigen Strukturen und die Diskussion um eine Neuausrichtung linksradikaler Politik.
Die Antifa Kritik & Klassenkampf aus Frankfurt am Main plädiert in einem Anfang 2015 erschienenen Papier „Der kommende Aufprall“ für eine stärkere Bezugnahme der radikalen Linken auf die Kämpfe der Lohnabhängigen. Sie setzt sich theoretisch mit den Begriffen der Klasse, Klassenkämpfen und Klassenbewusstsein auseinander und macht strategische und organisatorische Vorschläge zur Neubestimmung linker Praxis.
Das Diskussionspapier “…wir müssen reden!” wurde 2015 in Münster veröffentlicht. Er beschäftigt sich im ersten Schritt mit einer Bestandsaufnahme und Kritik der lokalen linksradikalen Strukturen. Weiter betont er die Notwendigkeit einer Diskussion über eine gemeinsame revolutionäre Perspektive linksradikaler Akteur*innen und eine daraus resultierenden Neuausrichtung politischer Praxis.

Der Klassenkampf und die Kommunist*innen. Ein Strategievorschlag. (2012)
Dieses Strategiepapier ist ein Plädoyer für die Bildung einer strategischen Doppelflanke: Syndikalistische Gewerkschaften auf der einen, Strukturen von Alternativ- und Gegengesellschaft auf der anderen Seite. Beide vermittelt zueinander über kommunistische (Selbst-)Organisierungen als strategisches Zentrum in Form von Theorie und Praxis, kollektiver Debatte und Reflexion. Dies, vermittelt nach „außen“ in Form von Agitation und Propaganda.

wie die Welt verändern? – lowerclassmagazine
In dem Ende 2014 veröffentlichten Beitrag zur Debatte schlagen die Verfasser*innen eine Drei-Ebenen-Strategie vor, bestehend aus einer neuen linken gesellschaftlichen Vision, Selbstorganisation im Alltag und einer offensiven Auseinandersetzung mit falschen Alternativen von rechts. Außerdem beinhaltet der Beitrag eine Analyse der Wirtschaftskrise und eine wichtige Kritik an linken Ansätzen die eine Eroberung der staatlichen Machtzentren zum Ziel haben.

 

Geschlechterverhältnisse und Klassenkampf

Da wir zufällig gerade feststellen, dass einer der relevantesten Texte des operaistischen Feminismus, „Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft“ von Mariarosa Dalla Costa, nicht mehr online zu finden ist, springen wir mal schnell in die Bresche. Die Druckfassung dieses Beitrags erschien 1972 im Merve-Verlag, ist aber nicht mehr erhältlich: dallacostadiefrauenundderumsturzdergesellschaft

Als kleine Zugabe, auf englisch allerdings, Mariarosa Dalla Costas Rede über den Generalstreik, die sie zum Beginn der Kampagne für einen Lohn für Hausarbeit 1973 gehalten hat: 03-dallacosta

Der wesentliche Aspekt dieser Rede:

No strike has ever been a general strike. When half the working population is at home in the kitchens, while the others are on strike, it’s not a general strike.

 

Prekäre Beschäftigung

Im Unrast-Verlag ist von der jour fixe Initiative Berlin der Sammelband „Souveränitäten“ erschienen. Ingrid Artus hat hier einen lesenswerten Beitrag zu Prekären Kämpfen – Herrschaft, Integration und Widerstand im Dienstleistungsbereich beigesteuert: Inge Artus: Prekäre Kämpfe

Marion Hamm hat eine lesenswerte Montage „Willkommen im CallCenter“ geschrieben, die wir hier dokumentieren: MarionHamm:Willkommen im Callcenter

Einen Einblick in die Entwicklung der prekären Arbeitsbedingungen in Deutschland seit den 1980er Jahren gibt das Buch „Risse im Putz“ der Gruppe Blauer Montag. Hier eine Buchrezension aus unseren Reihen: Buchrezension „Risse im Putz“

… und natürlich stellt sich da die Frage, die unsere Hauptfrage ist: Wie unter diesen Bedingungen Widerstand leisten? Damit beschäftigt sich auch der neu erschienene Band „Was ist dein Streik? Militante Streifzüge durch die Kreisläufe der Prekarität.“ der Precarias a la deriva. Eine ähnliche Diskussion führen in Italien die „Generalstände der Prekarität“ und stellen ihre Thesen in dem Papier „Von Genua zum prekären Streik“ dar: Prekärer Streik Um die Wirksamkeit eines solchen „prekären Streiks“ herauszufinden, haben sie auch einen kleinen Interviewleitfaden zu dem Thema verfasst: PrekärerStreik_Umfrage
Anhand des noch recht aktuellen Babylon-Konflikts, den das Allgemeine Syndikat Berlin auszufechten hatte, hat Gregor Zattler auf labournet über Grenzen von Arbeitskonflikten in prekären Arbeitsverhältnissen angesichts der Bedrohung des Koalitionsrechts durch die Infragestellung der Tarifautonomie einerseits und durch gelbe Gewerkschaften andererseits sinniert: Zattler
Eine wertvolle Ergänzung dazu ist der Beitrag von Hansi Oostinga zum Babylon-Konflikt in der „emanzipation“: „Für eine Handvoll Dollar“.

Gewerkschaftsstrategien

Die IWW Frankfurt und die Gruppe Zweiter Mai Hamburg haben vor kurzem zwei Broschüren aus dem amerikanischen Englisch übersetzt, die auch für eine aktualisierte Debatte über die Entwicklung und Strategien des Syndikalismus hierzulande nützlich sind:

Die IWW Frankfurt hat die Broschüre „Direct Unionism – Strategie für erfolgreiche Basisgewerkschaften auf der Höhe der Zeit“ des AutorInnenkollektivs „Recomposition – Notes for a new workerism“ der IWW Edmonton/Kanada übersetzt. Die Broschüre bietet einen Ansatz von Organizing jenseits bezahlter Funktuionärsstrukturen und ohne den Dogmatismus, unbedingt nur auf neue Mitglieder konzentriert zu sein – ein wichtiger Aspekt von Arbeiterselbstorganisation, denn wie sich Arbeiter*innen organisieren, müssen sie in konkretem Fall jeweils selbst entscheiden und nicht die Gewerkschaft!

Gemeinsam mit der IWW Frankfurt hat die Gruppe Zweiter Mai den Leitfaden Solidarische Netzwerke des Seattle Solidarity Networks ins Deutsche übersetzt. Solidarity Networks sind kleine, aber wachsende Arbeiter_innen- und Mieter_innenorganisationen. In zahlreichen Städten Nordamerikas nutzen sie gegenseitige Hilfe und kollektive direkte Aktionen, um konkrete Forderungen durchzusetzen.

Im Rahmen unserer Strategiediskussion haben wir 2011 den Text „Renaissance des Anarchosyndikalismus?“ von Beltran Roca Martinez gelesen und diskutiert. Die Broschüre bezieht sich auf die Situation in Spanien, wir haben aber viel Vergleichbares entdeckt. Außerdem fanden wir die Anwendung seiner Methode nützlich. Eine wertvolle Ergänzung stellt das „Organisationshandbuch Syndikate“ dar.

Und zumindest einen historischen Text möchten wir hier vorerst gerne präsentieren. Auch wenn wir uns als eine offene Gewerkschaft verstehen, können wir ja nicht verhehlen, dass unser Konzept vom Syndikalismus inspiriert ist. Mit dem Text „Der Syndikalismus“, den der französische Basisgewerkschafter Emil Pouget 1910 verfasst hat, haben wir einen Grundlagentext ausgewählt, der gerade aufgrund seines Alters noch recht unideologisch daherkommt und von seiner Aktualität nichts eingebüßt hat: Emil Pouget: Der Syndikalismus

 

Zurück zur Startseite