„Sacco und Vanzetti“ im Cinema Quadrat

Gepostet von fauma4 am 12. Oktober 2017

Datum: 25. & 30. 10. 2017, 19:30
Ort: Cinema Quadrat, Collini-Str. 1, Mannheim

 

Sacco und Vanzetti_02-Protest in Berlin 1927Der Justizskandal um die italienischen Anarchisten Sacco und Vanzetti ist weltbekannt. Dafür haben zeitgenössisch bekannte Autoren wie Upton Sinclair mit seinem Roman „Boston“ oder Erich Mühsam mit seinem Stück „Staatsräson“ gesorgt, wesentlich bekannter dürfte allerdings der Film „Sacco und Vanzetti“ von Guiliano Montaldo aus dem Jahr 1971 sein – vor allem durch die Musik von Ennio Morricone und hier vor allem durch die seitdem zur linken Hymne gewordene Ballade „Here’s to you“ in der wunderbaren Version von Joan Baez. 2006 legte Peter Miller einen gleichnamigen Dokumentarfilm vor, der erst seit diesem Jahr in deutscher Übersetzung vorliegt und nun mit unserer Unterstützung auch zweimal im Cinema Quadrat gezeigt wird.

Der Fall Sacco und Vanzetti ist dabei für uns aus mehreren Gründen interessant: Nicht nur handelte es sich um zwei Arbeitermilitante, die hier Oper der US-amerikanischen Klassenjustiz wurden und Parallelen zu Fällen wie jenem von Mumia Abu-Jamal und Leonard Peltier aufscheinen lassen, sondern der Fall gewinnt auch deswegen an Aktualität, weil es sich um Arbeitsmigranten handelte. So schreibt Bartolomeo Vanzetti in einem Brief aus dem Gefängnis:

„Warum wurden alle meine Zeugen, einfache Leute, die nur die einfache Wahrheit sagen wollten, über die Achsel schief angesehen und ausgelacht? Ihren Worten wurde nicht geglaubt, denn sie waren ja auch nur Ausländer… die Zeugenaussagen von Menschen sind glaubhaft – aber von Ausländern… bah!“

Doch es gibt noch einen weiteren, ganz entscheidenden Punkt, der den Fall Sacco und Vanzetti zu einem spannenden Ereignis werden lässt: Die für heutige Verhältnisse schier unglaubliche und strömungsübergreifende Solidarität: In der Weimarer Republik waren die Proteste für Sacco und Vanzetti eine der seltenen gemeinsamen Aktionen von Kommunist*innen, Anarchist*innen und Syndikalist*innen – gemeinsam konnten sie 100.000 Menschen in Berlin mobilisieren. Die größten Demonstrationen für Sacco und Vanzetti fanden in Frankreich und im bereits faschistischen Italien statt. 24stündige Generalstreiks gab es u.a. in New York, in Montevideo und in zahlreichen Städten Süd- und Mittelamerikas. Die globalen Unruhen angesichts der empfundenen (und tatsächlichen) Ungerechtigkeit ließen selbst die Aktienkurse fallen.

Und so zeigt uns der Fall „Sacco und Vanzetti“ auch eindrücklich, wie Internationale Solidarität – selbst für einzelne Personen – möglich ist, wenn die Arbeiterklasse an einem Strang zieht.

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