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    Protest und Solidaritätsaufruf für einen ver.di-Gewerkschafter

    Gepostet von fauma4 am 18. September 2019

    Über die Freiheit des und der Andersdenkenden im ver.di-Fachbereich Handel

    Wir alle sind Damiano!

    Dem langjährigen H&M-Betriebsrat Cosimo-Damiano Quinto, der seit einiger Zeit hauptamtlich für die Gewerkschaft ver.di arbeitet, wird vorgeworfen, von seiner privaten Facebook-Seite aus im Frühjahr 2019 auf einen Artikel im „express“, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, verlinkt zu haben. In dem Beitrag wird die vom Bundesfachbereich Handel unter der Leitung von Stefanie Nutzenberger zu verantwortende Gewerkschaftsarbeit in der Branche kritisch beleuchtet. Die Verlinkung führte jetzt dazu, dass Damiano von der Personalabteilung eine Abmahnung erhielt.
    Wenn Kritik an gewerkschaftlichen Entwicklungen nur für den Papierkorb oder die Ablage dient, aber nicht über sie debattiert werden darf, ist es mit der kritischen Öffentlichkeit auch in den Gewerkschaften nicht weit her. Zu den Hintergründen der Abmahnung haben wir mit Anton Kobel, dem Verfasser des o.g. Artikels, ein Gespräch geführt – hier der Vorabdruck aus dem nächsten express, der Anfang nächster Woche erscheint.
    Es freut uns, wenn der Stachel der Kritik noch löckt, und es ist uns eine besondere Ehre, gegen die Abmahnung des Kollegen zu protestieren, der unsere Einladung zu der Debatte, wie den Entwicklungen im Einzelhandel begegnet werden kann, ernstgenommen und weitergegeben hatte. (Hier geht es zum ausführlichen Protestbrief und den Erstunterzeichner*innen)

    Anstatt die dringend notwendige Stärkung von ver.di offen in der Mitgliedschaft zu diskutieren, wird auf bürokratische Weise das Gegenteil betrieben. Das zielt auf alle Kolleg*innen, die eine gewerkschaftliche Erneuerung im Handel von der Basis her befürworten.

    „Wir alle sind Damiano!“ hieß bereits 2015 der Slogan einer breiten Solidaritätsbewegung, als sein damaliger Arbeitgeber H&M vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt mit einer gegen ihn ausgesprochenen Kündigung auf der ganzen Linie scheiterte. Damals ging es um Rede- und Meinungsfreiheit sowie Demokratie in den Betrieben.

    Auch wegen dieses standhaften Verhaltens als Gewerkschafter wurde Cosimo-Damiano Quinto als Hauptamtlicher in ver.di eingestellt.

    • Als engagierte Gewerkschaftsmitglieder solidarisieren wir uns auch heute mit Cosimo-Damiano Quinto!
    • Wir protestieren gegen diesen untauglichen Versuch, sein demokratisches Recht auf freie Meinungsäußerung und seine gewerkschaftlichen Betätigungsmöglichkeiten einzuschränken!
    • Wir fordern die Rücknahme der Abmahnung, denn sie ist der Versuch, kritische Öffentlichkeit im Fachbereich Handel zu unterbinden. 

    Deshalb: Wir alle sind Damiano!

    Hier geht’s zum Unterzeichnen:

    http://www.labournet.de/?p=154142

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    Lesetipp: Heft 25 der SozialGeschichte Online erschienen

    Gepostet von fauma4 am

    Das neue Heft der Sozial.Geschichte Online ist auf den Seiten von DuEPublico als PDF erschienen und kann dort kostenlos heruntergeladen werden. Die Printausgabe von Heft 25 wird demnächst erscheinen. Das aktuelle Heft enthält Forschungsbeiträge von Peter Birke und Felix Bluhm über die neue Migration zwischen Grenzregime und Erwerbsarbeit sowie von Thomas Gräfe zum Antisemitismus im deutschen Kaiserreich, einen Beitrag Achim Brunnengräbers über die deutsche Automobilindustrie im Strukturwandel zur E-Mobilität, ein Interview mit Willi Hajek über die Gilets jaunes / Gelbwesten, einen Rezessionsessay von Ahlrich Meyer, „Wie Hannah Arendt versuchte, Karl Marx beizukommen“ anlässlich des Erscheinens der Arendt-Gesamtausgabe“, sowie zahlreiche Buchbesprechungen.

    Aktuell auf der Homepage der Sozial.Geschichte Online außerdem empfehlenswert: Ein aktueller Essay zu 50 Jahre Septemberstreiks.

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    Spendet für den Streik bei Godoy Hortalizas in Almería!

    Gepostet von fauma4 am 10. September 2019

    +++ Spendenkonto ES78 3058 0121 7227 2000 4878 +++

    Bereits seit zehn Tagen streiken die Arbeiter*innen zweier Gemüse-Plantagen der Gruppe Godoy Hortalizas in Almería, Andalusien. Sie protestieren gegen die rechtswidrige Entlassung festangestellter Kolleg*innen und eine Reihe von Arbeitsrechtsverletzungen: Unter anderem weigert sich die Betriebsleitung, den Mindestlohn von 6,90€ pro Stunde zu zahlen. Da sich die Brüder Felipe und David Godoy gegenüber den Forderungen der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft, der SOC-SAT, bislang taub stellen und mit jeglichen legalen und illegalen Mitteln (zuletzt Anstellung externer Streikbrecher, physische Gewalt durch Vorarbeiter!) versuchen den Streik zu brechen, dauert die Arbeitsniederlegung an.

    Die Streikenden sind weiterhin hochmotiviert, für ihre Rechte zu kämpfen – jedoch plagen die prekär beschäftigten, migrantischen Arbeiter*innen mit ihren Familien, zunehmend Geldsorgen. Denn die Lohnausfälle reißen tiefe Locher in die Haushaltskassen und die kämpferische aber kleine Basisgewerkschaft SOC-SAT hat keine eigenen Mittel mehr, um Streikgeld zu zahlen. Gleichzeitig läuft die Zeit gegen die ausbeuterischen Chefs: Denn die Paprikapflanzen im Gewächshaus brauchen Pflege – sie riskieren den Gewinn der ganzen Saison!

    Um den Streik weiterführen und gewinnen zu können, brauchen wir eure Hilfe!

    Das Spendenkonto der SOC-SAT:

    Empfänger: SOC SAT ALMERIA

    IBAN: ES78 3058 0121 7227 2000 4878
    Bank: CAJAMAR – CAJA RURAL ALMERIA
    Betreff: CAJA DE RESISTENCIA

    Spendet für die Streikenden beim Gemüseproduzenten Godoy Hortalizas! Denn ein gewonnener Arbeitskampf könnte im “Plastikmeer von Almería”, aus dem der Großteil unserer Tomaten, Paprika und Zucchini im Winter stammt, und in dem sich unmenschliche Arbeitsbedingungen mit Desinteresse der Behörden paaren, eine Signalwirkung haben!

    Hier findet ihr einen aktuellen Bericht über die Arbeitsrechtsverletzungen bei Godoy Hortalizas in drei Sprachen (ES/DE/EN).

    express 7/2019 ist erschienen!

    Gepostet von fauma4 am 27. Juli 2019

    In: express 7/2019

    Gewerkschaften Inland

    • Torsten Bewernitz: »Truckers & Turtles united?« – Annäherung von Gewerkschaften und ökosozialer Bewegung             S. 1
    • Stephan Krull: »Ohne Plan? Ohne uns!« – Gewerkschaften, Klimawandel und Mobilitätswende      S. 2
    • Die Bewunderer des Hilarius Gilges: »Die Zerstörung der IG Metall?« – Über den gewerkschaftlichen Umgang mit der ökosozialen Krise         S. 4
    • »ver.di unterstützt #Unteilbar-Demonstration in Dresden«        S. 4
    • Gregor Kritidis: »Sozialismus und Grundgesetz« – Die Enteignungsdebatte: Soziale Demokratie statt Verstaatlichung    S. 6
    • Edgar Weick: »Oskar Negt zum Fünfundachtzigsten« – Betrachtungen zu seinem Geburtstag und über den Tag hinaus            S. 13
    • Gottfried Oy: »50 Jahre Sozialistisches Büro« – Eine Tagung zu Geschichte und Gegenwart der undogmatischen Linken   S. 15

    Betriebsspiegel

    • Recht und Arbeit: »Tipps für ein gutes Betriebsklima« – Hitze im Betrieb: Was kann der Betriebsrat tun?       S. 5
    • Vera Musmann: »Wie streiken gegen Outsourcing und Befristungen?« – Ein Veranstaltungsbericht       S. 12

    Internationales

    • Tobias Hollinger: »Wenn Frau will, steht alles still« – Der Frauenstreik am 14. Juni in der Schweiz       S. 9
    • Sarah Lazare: »Prolls gegen Ökos?« – US-Medien instrumentalisieren Bergleute, um den Green New Deal zu attackieren          S. 10
    • Terry Miller: »Amazon: Warum ich aktiv werde« – Erfahrungsbericht eines Lagerarbeiters aus Chicago       S. 10

    Rezension

    • Rudolf Walther: »Ein Theoretiker des Alltags« – Der zweite Teil der Autobiografie von Oskar Negt       S. 13

    Kurzmeldungen

    • Antipasti   S. 7

    Einladung

    • »Gut gewühlt, alte Schildkröte!?« – Ratschlag zur Zukunft des express          S. 16

    Editorial

    Geneigte Leserinnen und Leser,

    wenn wir letzte Hand an den express legen, dann ist üblicherweise Freitag. Geballte Umbruch-Packung, dann erschöpft, aber leidlich zufrieden ins Wochenende. Friday for Future – die Zukunft liegt im Müßiggang.

    Oder doch auf der Straße. Die ErfinderInnen der Fridays for Future, die streikenden Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz, rufen uns – euch, alle – dazu auf, gemeinsam zu streiken. In der Aktionswoche vom 20. bis 27. September wollen sie etwas an der Eskalationsschraube drehen, weil sie verstanden haben, dass ein überschwängliches »Ich finde das ganz toll, wie ihr euch engagiert!« aus dem Mund einer Krawatte oder eines Hosenanzugs noch keine andere Klimapolitik macht. Daher soll der Streik nun dorthin zurück, wo er hingehört – an die Arbeit, in die Betriebe.

    Auch wenn es so aussehen mag: Das war nicht der Anlass für diese reichlich grün geratene Ausgabe des express. Oder allenfalls mittelbar. Das Problem, auf das die FFF-Demos so beharrlich hinweisen, wird ja umso interessanter, je weiter man sich vom Moralismus entfernt und je näher man den Welten von Arbeit und Produktion kommt – immer wieder lauert dort die knifflige Frage, wie eigentlich über Ökologie und die Interessen von ArbeiterInnen zu reden ist, wenn man die schlichte Logik der Entweder-Oder-Zwänge hinter sich lassen will. Entsprechende Ansätze gibt es, wie Torsten Bewernitz in seinem Beitrag feststellt, und es gibt sie – surprise! – auch in den USA. Sarah Lazare stellt den dortigen Diskurs um Gewerkschaften und das ökosozialistische Reformprogramm Green New Deal vor.

    Zwei Beiträge befassen sich mit der deutschen Diskussion um eine Mobilitätswende und der Art und Weise, wie die größte Gewerkschaft hierzulande versucht, darin Boden gutzumachen (Stefan Krull und das Autorenkollektiv »Die Bewunderer des Hilarius Gilges«). Wer aufmerksam liest, wird noch weitere Kleinode finden, die sich des Klimas annehmen.

    Das große Interesse am Thema und die Vielzahl an entsprechenden Wortmeldungen ist angesichts dessen, was da auf dem Spiel steht, nicht verwunderlich. Und doch mahnt die Stimme der Gelbwesten, die feststellt, dass für viele das Ende des Monats stets deutlich näher ist als das Ende der Welt. Aber eben das ist der Spielraum, in dem es sich zu positionieren gilt.

    Unsere kleine Feierlichkeit zum 50-Jährigen des Sozialistischen Büros ist gerade erst ein paar Tage her – und schon liegt nicht nur ein Veranstaltungsbericht von Gottfried Oy vor, sondern auch sehr schönes, bereits bearbeitetes Filmmaterial, das wir euch demnächst online präsentieren werden – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Filmteam schon mal! Zusammen mit Edgar Weicks Gratulation an Oskar Negt und Rudolf Walthers Rezension von dessen Biografie ist damit der Blick in die eigene Geschichte ein zweiter Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe.

    Ehe wir es vergessen: Im August nehmen wir uns ein wenig Auszeit, der nächste express erscheint im September mal wieder etwas umfangreicher. Bis dahin verweisen wir auf unsere bereits in der letzten Ausgabe angekündigte express-Veranstaltung am 21. September (S. 16), auf der wir euch gerne zahlreich begrüßen würden, um in aller Ausführlichkeit über die Futures & Optionen des express zu beratschlagen. Wir wünschen einen frischen, auch mal etwas kühlen Sommer – solange es so etwas noch gibt…

    Abo unter http://express-afp.info/sample-page

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    Organizing-Hinweise an mein früheres Ich

    Gepostet von fauma4 am 19. Juli 2019

    Den folgenden Beitrag haben wir aus dem insgesamt sehr empfehlenswerten US-amerikanischen und den Industrial Workers of the World nahestehendem Blog organizing.work übersetzt:

    Organizing-Hinweise an mein früheres Ich

    Der Autor, der anonym bleiben möchte, hat mehrere Jahre als Organizer für die größten US-Gewerkschaften im Öffentlichen Dienst gearbeitet, bevor er Lehrer in einer Großstadt wurde. Er organisiert sich mittlerweile mit seinen MitarbeiterInnen und SchülerInnen, vor allem für die Bildungsfinanzierung und Führerscheine für papierlose MigrantInnen.

    Ich habe darüber nachgedacht, welche Hinweise ich mir selber vor zehn Jahren gegeben hätte, um im Organizing aktiv zu werden. Ich habe viele Fehler gemacht und viel gelernt. Also: Hier ist das, was ich basierend auf meinen Fehlern und Erfahrungen zu sagen hätte. Ein paar Dinge, an die ich mich auch selber immer wieder erinnern muss, es ist nicht so, dass ich immer gut wäre in dem, was ich da mache.

     

    1. Organisiert euch für klare, erreichbare Ziele, die Maßstäbe haben und Möglichkeiten, den Erfolg zu prüfen. „Katharsis“ oder „Erhöhung der Awarness“ sind keine messbaren Ziele. Organisiert euch und die anderen für Dinge, die das Leben der Menschen verbessern.
    2. Es geht nicht darum, zu Aktionen, Protesten oder Kundgebungen zu gehen. Die können manchmal gut tun, aber es gibt eine Tendenz dazu, den Protest als „wenigstens etwas tun“ wahrzunehmen und von Aktion zu Aktion zu rennen.
    3. Hört auf die Meinungen der Leute. Hört den Menschen erst zu. Schaut euch an, wo sie stehen. Beachtet ihre Probleme. Spekuliert nicht, welche Meinungen oder Probleme die Leute haben könnten.
    4. Organisiert euch nicht nur mit Menschen aus den Subkulturen, Szenen und sozialen Gruppen, die euch nahe stehen. Das führt dazu, dass sich Menschen, die nicht Teil dieser Kultur sind, nicht eingeladen fühlen.
    5. Laßt euch nicht in megaideologische, dogmatische Zwistigkeiten verwickeln. Die Menschen scheren sich nicht um kleine Zankereien darüber, was 1936 passiert ist oder eurer Spaltung von und mit wem auch immer. Das ist als Hobby interessant, die Theorie und Geschichte, und vielleicht auch informativ und inspirierend, aber die Linke ist zu besessen von der Ideologie als Identität. Präsentiert eure Methodik durch die Art, wie ihr euch organisiert.
    6. Respektiert den kollektiven Prozess. Arbeitet Meinungsverschiedenheiten gemeinsam durch. Plant Dinge kollektiv.
    7. Klopft an Türen, führt Telefonate, kontaktiert die Menschen. Benutz keine virtuellen („sozialen“) Medien für die Organisierung.
    8. Seid konsequent. Wie der Trommelschlag. Seid pünktlich. Tut das, von dem ihr gesagt habt, dass ihr es machen werdet.
    9. Schreibt die Leute nicht ab, weil sie zu irgendetwas eine abweichende Position haben. Laßt die Leute nicht alleine und vergesst sie nicht. Die Leute sind nicht entbehrlich.
    10. Sprecht nicht die Menschen im Raum an, die bereits eine Autoritätsposition haben. Organizer gehen zu oft in einen Raum und setzen bei den Leuten an, die schon relativ viel Macht haben.
    11. Die Macht liegt in den Werkshallen, nicht in den Sitzungsräumen. Organisiert von unten nach oben.
    12. Fragt nicht um Erlaubnis.
    13. Seid nah dran an den ArbeiterInnen.
    14. Baut die Organizing-Fähigkeiten von SchülerInnen und Studierenden auf. Sprecht mit SchülerInnen wie mit Erwachsenen, auch wenn ihr euch bewußt seid, dass ihr LehrerInnen seid, denn es geht darum, echte Beziehungen einzugehen. Laß‘ sie lachen.
    15. Habt keine Angst, anderer Meinung zu sein, aber macht euch nichts draus.
    16. Bezieht die Menschen mit ein und lasst sie sich willkommen fühlen, nähert euch ihnen, fragt, wie es den Kindern geht und so Sachen.
    17. Kümmert euch nicht in erster Linie um die Ausstattung der Organisation. Poster, Newsletter und virtuelle Medien sind toll, aber ihr bekommt keinen Nachtisch, wenn ihr euer Gemüse nicht gegessen habt.
    18. Organisiert die Arbeiterklasse, nicht die Linke.

    Quelle: http://organizing.work/2019/07/organizing-advice-i-would-have-given-myself-ten-years-ago/

    Übersetzung: Allgemeines Syndikat Mannheim

     

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