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    Frankfurt: Klima, Digitalisierung, Gewerkschaften und Arbeitskampf 4.0. Konferenz am 28. und 29. Februar zu Systemwandel und Gewerkschaft.

    Gepostet von fauma4 am 7. Februar 2020

    Wir leben in einem Zeitalter gigantischer Umwälzungen und Angriffe auf unser Leben. Täglich und nahezu ungebremst schreitet die Zerstörung unserer zentralen Lebensgrundlage – der Umwelt – fort. Während Hunderttausende auf Grund des Klimawandels zur Flucht genötigt werden, erleben wir parallel eine durch Digitalisierung und Technologiekonzerne getriebene Ökonomisierung aller Lebensbereiche.

    Allumfassende Überwachungsmöglichkeiten, Roboterisierung der Arbeit und der Pflege, Disziplinierung durch Scoringsysteme, Firmen, die gebucht werden können, um Wahlergebnisse zu beeinflussen und das Phänomen der Parallelwelten in den sozialen Medien, über die Menschen Informationen lediglich aus ihrer Filterblase beziehen, anstatt auf der Grundlage gemeinsamer Informationen handeln zu können, sind nur einige Aspekte der mit der Digitalisierung einhergehenden Entwicklung.

    Seit gut einem Jahr ist die Bewegung Fridays for Future in aller Munde. Außer der Verabschiedung eines unzureichenden Klimapaketes in Deutschland und den durch ihre mediale Präsenz in vielen Kreisen der Gesellschaft angefachte Klima-Diskussionen, konnte sie bislang nach eigenen Aussagen allerdings wenig erreichen. Der geforderte und notwendige Systemwandel lässt leider auf sich warten. Ein Grund ist vermutlich im hauptsächlich an die Politik gerichteten Appell-Charakter der Fridays for Future-Forderungen zu suchen.

    Unabdingbar scheint die Beantwortung der Frage, wie wir in einem Prozess der Selbstermächtigung unsere Interessen für eine ressourcensparende und klimaerhaltende Produktion durchsetzen können.

    Lässt sich der technische Fortschritt der Digitalisierung gar für diese Ziele positiv nutzen oder befeuert er vielmehr das sich immer schneller drehende Hamsterrad der Globalisierung? Welche Rolle sollen, ja müssen Gewerkschaften bei den gewaltigen, anstehenden Umwälzungsprozessen spielen? Gibt es überhaupt eine Zukunft der Gewerkschaften angesichts von Prognosen, die davon ausgehen, dass sich das Proletariat in rund 20 Jahren weitestgehend selber abgeschafft haben wird?

    Auf der Konferenz wollen wir gemeinsam mit Gewerkschafter*innen, Lohnabhängigen und Interessierten der Frage nachgehen, ob Gewerkschaften ein geeignetes Instrument sein können, eine kollektiv bestimmte, ökologische Produktion voranzutreiben, ohne dabei den Erhalt von Arbeitsplätzen als Selbstzweck über alles andere zu stellen.

    Die Frage, wie eine Vergesellschaftung des technischen Fortschrittes aussehen kann, scheint insbesondere in diesem Zusammenhang zentral, sofern wir den Gewinn am technischen Fortschritt nicht wieder wenigen Privateigner*innen überlassen wollen, während die Masse die negativen Folgen desselben sogenannten Fortschrittes zu tragen hat.

    Getreu dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ werden wir entlang ausgewählter Branchen gewerkschaftliche Handlungsoptionen zu den Themen Klima, Digitalisierung und Gewerkschaft entwickeln. Als Ausdruck der Selbstermächtigung liegen uns hierbei solidarische Arbeitskämpfe von morgen am Herzen. Diese müssen aus unserer Sicht weit über aktuelle Tageskämpfe um mehr Lohn oder bessere Arbeitsbedingungen hinausgehen. Arbeitskampf 4.0 muss in ein antikapitalistisches Programm des Systemwandels eingebettet werden, ohne den es kein kollektives, unsere Lebensgrundlagen erhaltendes Wirtschaften geben kann.

    Wir rufen alle Lohnabhängigen und Gewerkschafter*innen, für die Gewerkschaft mehr als nur ein Instrument für die kurzfristige Verbesserung der eigenen Arbeitsbedingungen ist auf, gemeinsam mit uns die Rolle von Gewerkschaft neu zu definieren. Gesucht sind Gewerkschaften, die sich der aktuell drängenden Fragen nach unserer Welt von morgen annehmen und mutig für die notwendigen Änderungen kämpfen, selbst wenn dafür der Abschied von bisherigen Eigentumsverhältnissen und Privilegien notwendig wird.

    Programm

    • Freitag, 28. Februar 2020

    19:30 Uhr: Keynotes zu den einzelnen AGs
    und anschließende Diskussion mit den Referenten*innen der AGs und Fridays for Future Frankfurt (angefragt)

    • Samstag, 29. Februar 2020

    09:30 – 12:00 Uhr: Arbeitsgruppen
    AG I – Klima & Gewerkschaft
    Mit Anna Müller und Jan Westphalen – FAU Frankfurt

    Durch den momentan immer steigenden Konsum werden zunehmend viele Ressourcen gebraucht. Gleichzeitig werden diese aber knapper, wie z.B. Erdöl oder seltene Erden. Die Möglichkeiten der Produktion sind also begrenzt; die Produktion von Gütern wird nicht nur umgestellt werden müssen, sie muss auch reduziert werden. Es wird zukünftig also auch weniger Arbeit nötig sein (zumindest in der klassischen Industrie). Unter der Schlagwort „Postwachstum“ befassen sich verschiedene Konzepte mit einer Wirtschaftsform, die ohne Wachstum funktioniert. Statt immer mehr zu produzieren, soll der Fokus z.B. auf Arbeitszeitreduzierung oder der Herstellung von Gütern liegen, die möglichst lange halten und einfach zu reparieren sind. Ziel ist eine nachhaltigere Produktion und damit auch ein Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit. Wir wollen uns anschauen, welche Möglichkeiten Gewerkschaften haben, diesen Prozess des Systemwandels (mit) zu gestalten. Hierbei wollen wir nicht nur auf die Umstellung zu einer ökologischen Produktion blicken, sondern auch auf Möglichkeiten der Wirtschaftsdemokratisierung als Teil einer grundsätzlichen Gesellschaftsveränderung.

    AG II – Pflegenotstand & Systemwechsel
    Mit Robin Mohan (Soziologe)

    Neben dem Klimawandel und der Digitalisierung gilt heute der „Pflegenotstand“ als zentrales Zukunftsproblem eigener Art. Inwiefern handelt es sich um ein strukturelles Problem des (gegenwärtigen) Kapitalismus? Warum ist Digitalisierung in diesem Bereich nur in sehr beschränktem Maße wünschenswert? Welche Kämpfe haben die Pflegebeschäftigten geführt und wie können sie weitergeführt und mit anderen Kämpfen verbunden werden?

    AG III  – Zukunft der Automobilbranche
    Mit einem ehemaligen Betriebsrat des Automobilzulieferers >Freudenberg<

    Die AG wird sich mit den durch den neuen E-Auto Hype getriebenen Veränderungen in der Automobilbranche unter anderem an Hand eines konkreten Beispiels – den Elektro-Batterien – befassen. Ein Fokus liegt hierbei auf der politischen Einordnung der aktuellen Veränderungen.

    12:00 – 13:00 Uhr: Mittagspause

    13:00 – 15:30 Uhr: Arbeitsgruppen

    AG IV – Sturm auf die Maschine oder totale Unterwerfung?
    Mit Dörthe Stein – FAU Frankfurt (Internetspezialistin und Projektmanagerin in der ITK-Branche)

    Die AG wird sich zunächst mit der Verortung der alle Lebensbereiche durchdringenden Digitalisierung befassen. Hierzu werden einige ausgewählte Perspektiven in den Blick genommen.

    • Roboterisierung der Arbeit
      Über Chancen, Risiken und soziale Folgen der aktuellen Automatisierungstrends in Industrie und Zivilgesellschaft.
    • Digitale Macht
      Von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten digitaler Überwachung und ihrer disziplinierende Wirkung
    • Maschinensturm 4.0 oder totale Unterwerfung
      (Wie) kann die Vergesellschaftung digitaler Infrastruktur als Baustein zur Gestaltung einer ökologischen und sozialen Wirtschaft dienen oder müssen einige technologische Entwicklungen als Instrumente der Unterwerfung entschieden bekämpft werden?

    Im zweiten Teil der AG sollen die zuvor herausgearbeiteten Aussagen und Thesen in Bezug zu sich ergebenen gewerkschaftlichen Handlungsfeldern gesetzt werden.

    • Gewerkschaft von morgen
    • Gewerkschaft, Ökologie und ITK Branche > zentrale Herausforderungen
    • Handlungsfelder für die nahe und die antikapitalistische Zukunft
    • Konkrete Aktionsansätze und mögliche Akteure*innen

    AG V – Digitalisierung in der Textilbranche und Möglichkeiten von Widerständigkeit
    Mit Ernest Mirant, tie global

    Digitalisierung bedeutet nicht nur einen technischen Wandel oder den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern eine grundsätzliche Veränderung von Tätigkeiten, betrieblichen Kontrollformen, sowie des Selbstverständnisses von Beschäftigten. Seit zwei Jahren erarbeiten wir uns zusammen mit Beschäftigten der Modebranche ein Verständnis der Veränderungen. Wie müssen zukünftige Kämpfe um gute Lebens- und Arbeitsbedingungen und eine nachhaltige Textilbranche unter den veränderten Bedingungen aussehen und von wem müssen sie geführt werden?

    AG VI – Zukunft der Arbeit im Sozialwesen
    Zwischen emanzipativen Vorstellungen, Ökonomisierungsdruck und einer sich  stark verändernden Umwelt.
    Mit Julia Mai – FAU Frankfurt (Sozialarbeiterin) und Karsten Renner – FAU Frankfurt (Sozialarbeiter)

    Geprägt von Effizienzkriterien, einem hohen Kostendruck, sowie dem starken Fachkräftemangel bei anhaltend niedrigen Gehältern, ist die Arbeit im Sozialwesen von starken Ökonomisierungs- tendenzen betroffen und übernimmt zunehmend die Rolle der „Elends-Verwalterin“.
    Ausgehend von der Annahme, dass sich die soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft – auch getrieben durch die Digitalisierung in anderen Branchen – weiterhin verschärfen wird, möchten wir  diskutieren, welche Entwicklungen auf uns zukommen und wie eine (Re)politisierung der Sozialen Arbeit und ihrer Beschäftigten unter dem Begriff „Arbeitskampf 4.0“ stattfinden kann.

    15:45 – 17:30 Uhr: Plenum
    Zusammentragen der Ergebnisse und Diskussion

    17:30 – 17:45 Uhr: Fazit & Verabschiedung

    www.unions4future.blogspot.com

    Konferenz: Unions for Future:

    Klima, Digitalisierung, Gewerkschaften und Arbeitskampf 4.0. Konferenz am 28. und 29. Februar zu Systemwandel und Gewerkschaft.

    • 28.02.2020 ab19:30
    • Studierendenhaus, Campus Bockenheim, Mertonstr. 26

    Neuerscheinung zu Mannheimer Streikgeschichte

    Gepostet von fauma4 am 19. November 2019

    Fünf Jahre nach der Sonderausstellung „Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“ publiziert das Landesmuseum für Technik und Arbeit einen Sammelband des damaligen Kuratorenteams, der sich ausführlich mit dem Metallarbeitertstreik 1963 beschäftigt. Der 63er Streik war die erste klassenkämpferische Auseinandersetzung in dieser Größe, vor allem war er verbunden mit der ersten Massenaussperrung in der Bundesrepublik. Die Mannheimer Metallarbeiter(*innen) waren besonders kampfbereit und phantasievoll im Streik. Das vorliegende Buch soll auch dies erklären.

    Der Düsseldorfer Fotograf Anton Tripp dokumentierte 1963 den damaligen Metallarbeiterstreik in der Industriemetropole Mannheim. Ein großer Teil dieser fotografischen Aufnahmen findet sich in den Sammlungen von Udo Achten, viele weitere im Ruhr Museum Essen. Ein Autorenteam um Horst Steffens hat nun diese Bestände gesichtet und rund 70 Fotografien ausgewählt, die in diesem Quellenband präsentiert werden. Sie bieten einen lebendigen Querschnitt der Ereignisse und Akteure, portraitieren Männer, Frauen sowie ausländische Mitarbeiter, die am Streikgeschehen teilnehmen. Atmosphärisch wird die „Volksfeststimmung“ an einem 1. Mai ebenso eingefangen wie der Alltag von Streikposten vor den Werkstoren. In mehreren Artikeln wird das Streikgeschehen von 1963 nachgezeichnet. Gewerkschaftliche Akteure des damaligen Arbeitskampfes werden als Zeitzeugen interviewt, und es entsteht auf diese Weise ein eindrucksvolles Bild der damaligen Geschehnisse. Durch die Kamera von Anton Tripp geschaut stehen – ebenso wie in den Zeitzeugen Interviews – die Akteure im Mittelpunkt, die diesen von der IG Metall organisierten Streik führen.

    „Dieser Betrieb wird bestreikt“. Bilder- und Lesebuch zu Streik und Aussperrung 1963 in Mannheim. TECHNIK + ARBEIT, Bd. 15.
    Hrsg. vom TECHNOSEUM – Landesmuseum für Technik und Arbeit.
    280 S. mit 84 Abb., fester Einband.
    ISBN 978-3-95505-100-6. EUR 19,90.

    Ein einführender Beitrag zum Thema findet sich auf der Homepage der Direkten Aktion. Siehe auch unsere eigene Publikation Mannheims „andere“ Arbeiterbewegung. Beispiele eines lokalen Arbeiterradikalismus im Verlag Edition AV.

    express 10/2019 ist erschienen!

    Gepostet von fauma4 am 24. Oktober 2019

    Inhalt:

    Gewerkschaften Inland

    • Toni Richter: »Vom Betrieb heraus denken«? – die IG Metall und die diesjährige Wahl ihres Ersten Vorsitzenden            S. 1
    • Tom Adler: »Blick zurück nach vorn« – Gewerkschaftliche Diskussionen über Konversion in der Autoindustrie         S. 2
    • Torsten Bewernitz: »Der Algorithmus, wo man mit muss« – Lieferdienste: FastFood 4.0 oder perfide Datensammlung?    S. 6
    • Slave Cubela: »Einstürzende Neubauten« – zu Entstehung und Verlauf des Immobilien-Kapitalismus     S. 10

    Betriebsspiegel

    • Students for Future: »Arbeitsklimakampf für Einsteiger« – Aufruf zu gemeinsamen Aktionen von Gewerkschafts- und Klimabewegung            S. 3
    • Katharina Varelmann: »Arbeitsfeldansatz« – über die »aufsuchende Feldarbeit« der Initiative Faire Landarbeit S. 4
    • Faire Mobilität: »7 x 24 = 30?« – Urteil mit Reichweite: Bulgarische Pflegerin klagt erfolgreich auf Lohnnachzahlung   S. 5

    Internationales

    • Rose Bookbinder: »Meat & don’t greet« – Schlachthausbeschäftigte und ihre Verbündeten organisieren sich gegen Razzien der Migrationsbehörden in den USA            S. 9
    • Alarmphone: »5 Jahre Alarm« – und kein Land in Sicht      S. 12

    Rezensionen

    • Rudolf Walther: »Organisieren am Transformationskonflikt?« – über Hans-Jürgen Urbans Vorschläge zu »guter Arbeit in der Transformation«          S. 8
    • Malte Meyer: »Irrtum vom allerbesten Zentral-komitee« – über Carsten Priens Beiträge zur Organisationsdebatte des Sozialistischen Büros    S. 16

    Kurzmeldungen

    • Antipasti                     S. 10

    Statt eines Nachrufs

    • Wolf-Dieter Narr und Klaus Vack: »Form und Inhalt der Politik« – ein fiktives Gespräch  S. 13
    • KH und Torsten Bewernitz: »Das Gleiche in Grün« – zu fiktiven Gesprächen, Gattungsfragen und anderen Bewegungsanliegen              S. 13

     

    Editorial

    In: express 10/2019

    Geneigte Leserinnen und Leser,

    nicht nur das Private, auch das Wetter ist politisch – und zeigt sich von der wechselhaften Seite: Der Herbst hat kaum begonnen, da sind die großen Termine der institutionalisierten Gewerkschaftsbewegung in Deutschland auch schon wieder Schnee vom Sommer: Der ver.di-Bundeskongress ist rum, der IG Metall-Gewerkschaftstag ist ebenfalls gelaufen (so viel Bewegung muss sein), und, ja, der Ratschlag zur Zukunft des express, den wir in Frankfurt abgehalten haben, ist auch schon wieder Vergangenheit. Während die ersten beiden Veranstaltungen medial ja allüberall präsent waren und wir (nicht nur deshalb, sondern auch wegen der Statik des Gegenstands) dazu kaum Überraschendes schreiben könnten (s. diese Ausgabe), hatten wir beim dritten der genannten Termine einen Exklusivzugang, einschließlich aller Empfänge und Hintergrundgespräche am Rande. Was also können wir berichten? Niemand, also wirklich niemand unter den Anwesenden hat uns geraten, das Handtuch zu werfen und den Laden einfach zuzumachen (das mag aber auch auf unsere wohldurchdachte Einladungspolitik zurückzuführen sein. Wer über Zukunft reden will, holt sich keine notorischen Grantler ins Haus). Wir machen jedenfalls weiter, weiter mit der monatlichen Zeitungsproduktion und weiter mit dem Ausloten von Untiefen, Sandbänken und Rettungsaussichten für die schnuckelige Nussschale namens express. Zwei, drei Ideen sind bereits ausgebrütet, unterliegen aber noch den branchenüblichen Sperrfristen. Stay tuned. Jetzt schon könnt Ihr jedoch einschalten zum großen Wetterbericht über Arbeitsklimakämpfe, Arbeitsfeldeinsätze, Autokritik (Zwinker-Smiley, Grüße an unseren Mann in Brüssel), Algorithmen und Arbeitshetze, Abseitsfallen in der Organisationsfrage bis Old School Organizing und Organisieren im Transforma­tionsprozess: Von Alpha bis Omega ist Bewegung in dieser Ausgabe.

    Zweierlei sollte Euch mit dieser Ausgabe noch zugehen: Erstens der Aufruf der Students for Future, die nächste Aktionswoche in Sachen Klimarettung auch gewerkschaftsseitig mitzutragen – ihre Handreichung zur Einberufung einschlägiger Betriebsversammlungen findet Ihr nicht nur im Heft dokumentiert, sie liegt auch als handlicher Flyer bei und darf gern befolgt und weitergegeben werden. Dasselbe gilt für das zweite Extra, unseren diesjährigen Spendenaufruf zur Jahresendzeit. Manche Traditionen, auch das ein Ergebnis unseres Ratschlags, sollten eben nicht bedenkenlos preisgegeben werden. Wir wünschen ertragreiche Lektüre.

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    Der express 08/09 2019 ist erschienen!

    Gepostet von fauma4 am 21. September 2019

    Der express 08/09 2019 ist erschienen.

    Gewerkschaften Inland

    • Peter Birke: »Frühling im Herbst« – zur Deutung der Septemberstreiks 1969 S. 1
    • StS: »Lieferkettengesetz« – DBG und ver.di unterstützten Kampagne S. 3
    • Slave Cubela: »Don’t believe the hype« – Plädoyer für eine kritische Rezeption von Jane McAleveys Buch »Keine halben Sachen« S. 4
    • Anton Kobel: »Die Unvollendete« – Zur Tarifrunde und zum Kampf gegen Tarifflucht im Einzelhandel S. 7
    • »Disziplin statt Diskussion?« – Gespräch über Hintergründe zur Abmahnung eines ver.di-Kollegen wegen Verbreitung eines express-Artikels S. 8
    • »Wir alle sind Damiano« – Protest und Solidaritätsaufruf für einen ver.di-Gewerkschafter S. 8
    • Wolfgang Völker: »Hamburg traut sich was – oder lieber doch nicht?« – Preis des mutigen Löwen an SPD und Grüne für Abschaffung von Hartz IV verliehen S. 9
    • Florian Butollo: »Die Hölle friert zu« – strukturelle Bedingungen des Organizings bei RyanAir S. 11
    • Birgit Daiber: »Ach je, Frank« – Böckelmanns tumultöser Weg nach rechts S. 12
    • Wolfgang Hien: »›Gute Arbeit‹, Arbeitsschutz oder Widerstand?« – Anmerkungen zur schönen neuen Arbeitswelt S. 17

    Betriebsspiegel

    • »Just put the movement back?« – Kirsten Huckenbeck im Gespräch mit »Organisieren. Kämpfen. Gewinnen« S. 2
    • Recht & Arbeit: »Mit der Hälfte ums Ganze« – Tipps zur Betriebsratsarbeit in Teilzeit S. 4
    • Jessica Reissner: »Schwarzer Freitag13 – Mehr Widerstand ist besser!« – ein Bericht vom Aktionstag S. 6
    • »Gewerkschaftliche Landpartie« – IG BAU-Aktive unterstützen und beraten Saisonarbeitskräfte vor Ort S. 9

    Internationales

    • Peter Korig: »Auf Sendung« – Studentische Callcenter-Beschäftigte in Albanien organisieren sich S. 13
    • Ingeborg Wick & Bodo Zeuner: »Deutsche Linke für Xi Jinping?« – Neuerscheinungen zu China S. 15

    Rezensionen

    • Mia Lindemann: »Soziale Notwehr und konkrete Gesellschaftsutopie« – die österreichischen Räte zwischen 1917 und 1924 S. 20

     

    Geneigte Leserinnen und Leser,

    während wir uns auf der Zielgeraden für diese dicke Doppelausgabe befinden, steht hier um die Ecke der Verkehr still. Auch ohne Arbeitsniederlegung unsererseits ist der Frankfurter Klimastreik mit 12.500 Teilnehmenden ganz gut besucht. Die Konkurrenzveranstaltung in den Messehallen eher nicht: Die IAA neigt sich ihrem Ende entgegen, und gewiss ist schon jetzt, dass das Jahr 2019 einen Negativrekord bei den Besucherzahlen gebracht hat. Weiter so!

    Bei ver.di bereitet man sich unterdessen auf den Bundeskongress vor. Wenn Ihr diese Ausgabe in den Händen haltet, ist er dann auch fast schon wieder rum, und es können erste Zwischenbilanzen gezogen werden. Die Bsirske-Nachfolge gehört mit der Vorab-Nominierung von Frank Werneke nicht zu den aufregenden Fragen, aber der ein oder andere Antrag verspricht vielleicht doch ein spannendes Match. Nummer H 116 zum Beispiel. Die Landesbezirkskonferenz Rhein-land-Pfalz-Saarland möchte eine Seligsprechung mit Praxisbezug erwirken: »ver.di erkennt das geistige Erbe Karl Marx‘ als eine wichtige Grundlage für gewerkschaftliches Denken, Handeln und als Leitgedanken der Bildungsarbeit für Ehren- und Hauptamtliche an.« Ein durchaus ehrenwertes Anliegen, sofern nicht die Rückkehr zur trichterförmigen Kapital-Schulung gemeint ist. Die Antragskommission dagegen meint: »Erledigt durch Praxis/Zeitablauf«. Nun, Praxis oder Zeitablauf? Vermutlich Letzteres. Uns wäre jedenfalls nicht zu Ohren gekommen, dass die Organisation in dem bunten Allerlei, das Bildung, Denken und Handeln zwischen »Achtsamkeitscoaching« und »Zusammenarbeit, vertrauensvolle« bestimmt, allzu viele Gedanken darauf verwendet hätte, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch…« – Ihr wisst schon.

    Doch anscheinend haben die KollegInnen aus Trier und Umgebung sich einen taktischen Fehler geleistet, als sie in ihrer Begründung den 200. Geburtstag des »großen Denkers« zum Ausgangspunkt genommen haben. Der war, so leid es uns tut, schon im vergangenen Jahr. Zeitablauf! Vielleicht dann zum 250sten.

    Ach, und dann war da noch der Zores im Fachbereich Handel. Wer von Euch uns auch digital verbunden ist (Homepage! Facebook! Twitter!), hat wohl mitbekommen, dass ein hauptamtlicher Kollege ebendort eine Abmahnung kassieren sollte, weil er einen Artikel aus der Gewerkschaftszeitung mit der Schildkröte bei Facebook zur Lektüre empfohlen hat. Dank gehörigem Protest ist dieses Ungemach abgewendet – Genaueres dazu ab S. 7 ff. Weiter geht’s – im Einzelhandel und all den anderen Feldern gesellschaftlicher Arbeit, in denen noch so viel aufzuklären und umzuwerfen ist, wie diese Ausgabe einmal mehr zeigt.

    express im Netz unter: www.express-afp.info

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    Protest und Solidaritätsaufruf für einen ver.di-Gewerkschafter

    Gepostet von fauma4 am 18. September 2019

    Über die Freiheit des und der Andersdenkenden im ver.di-Fachbereich Handel

    Wir alle sind Damiano!

    Dem langjährigen H&M-Betriebsrat Cosimo-Damiano Quinto, der seit einiger Zeit hauptamtlich für die Gewerkschaft ver.di arbeitet, wird vorgeworfen, von seiner privaten Facebook-Seite aus im Frühjahr 2019 auf einen Artikel im „express“, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, verlinkt zu haben. In dem Beitrag wird die vom Bundesfachbereich Handel unter der Leitung von Stefanie Nutzenberger zu verantwortende Gewerkschaftsarbeit in der Branche kritisch beleuchtet. Die Verlinkung führte jetzt dazu, dass Damiano von der Personalabteilung eine Abmahnung erhielt.
    Wenn Kritik an gewerkschaftlichen Entwicklungen nur für den Papierkorb oder die Ablage dient, aber nicht über sie debattiert werden darf, ist es mit der kritischen Öffentlichkeit auch in den Gewerkschaften nicht weit her. Zu den Hintergründen der Abmahnung haben wir mit Anton Kobel, dem Verfasser des o.g. Artikels, ein Gespräch geführt – hier der Vorabdruck aus dem nächsten express, der Anfang nächster Woche erscheint.
    Es freut uns, wenn der Stachel der Kritik noch löckt, und es ist uns eine besondere Ehre, gegen die Abmahnung des Kollegen zu protestieren, der unsere Einladung zu der Debatte, wie den Entwicklungen im Einzelhandel begegnet werden kann, ernstgenommen und weitergegeben hatte. (Hier geht es zum ausführlichen Protestbrief und den Erstunterzeichner*innen)

    Anstatt die dringend notwendige Stärkung von ver.di offen in der Mitgliedschaft zu diskutieren, wird auf bürokratische Weise das Gegenteil betrieben. Das zielt auf alle Kolleg*innen, die eine gewerkschaftliche Erneuerung im Handel von der Basis her befürworten.

    „Wir alle sind Damiano!“ hieß bereits 2015 der Slogan einer breiten Solidaritätsbewegung, als sein damaliger Arbeitgeber H&M vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt mit einer gegen ihn ausgesprochenen Kündigung auf der ganzen Linie scheiterte. Damals ging es um Rede- und Meinungsfreiheit sowie Demokratie in den Betrieben.

    Auch wegen dieses standhaften Verhaltens als Gewerkschafter wurde Cosimo-Damiano Quinto als Hauptamtlicher in ver.di eingestellt.

    • Als engagierte Gewerkschaftsmitglieder solidarisieren wir uns auch heute mit Cosimo-Damiano Quinto!
    • Wir protestieren gegen diesen untauglichen Versuch, sein demokratisches Recht auf freie Meinungsäußerung und seine gewerkschaftlichen Betätigungsmöglichkeiten einzuschränken!
    • Wir fordern die Rücknahme der Abmahnung, denn sie ist der Versuch, kritische Öffentlichkeit im Fachbereich Handel zu unterbinden. 

    Deshalb: Wir alle sind Damiano!

    Hier geht’s zum Unterzeichnen:

    http://www.labournet.de/?p=154142

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