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    Am 28. April ist wieder Workers´ Memorial Day: „Remember the dead – Fight for the living“

    Gepostet von fauma4 am 26. April 2016

    Seitdem die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union 2010 erstmals in Deutschland ausdrücklich zum Workers` Memorial Day aufgerufen hat, wird dieser Tag jährlich am 28. April von verschiedenen Gewerkschaften in der ganzen Bundesrepublik begangen, um denjenigen zu gedenken, die durch (Lohn-)arbeit gestorben, verletzt oder erkrankt sind. Einher gehen Forderung von besserem Arbeitsschutz bis hin zur Abschaffung der Ursache „Lohnarbeit“.

    https://www.tuc.org.uk/sites/default/files/Workers_Memorial_Day_2016_Logo_AW_72ppi.jpg

    Dass Lohnarbeit krank macht, unterstreicht auch der diesjährige WHO-Bericht. Dieser verweist auf das deutliche Ansteigen von hauptsächlich psychischen Erkrankungen. Dem Bericht zufolge leidet heute weiltweit jeder zehnte Mensch an Depressionen oder starken Angstzuständen. Während der Bericht allerdings den Arbeitnehmerstandpunkt einnimmt und die daraus resultierende Kosten für die Weltwirtschaft auf 1.000 Miliarden bzw. eine Billion US-Dollar beziffert und beklagt, werden Rückschlüsse auf die Ursachen, die wesentlich in den Prinzipien der Marktwirtschaft, in der Intensivierung der Arbeit zwecks Profitmaximierung und der systematischen Produktion von Gewinnern und Verlierern in der Konkurrenz nachlässig bis gar nicht gezogen. Als langfristig wirtschaftlich lohnende Investion rät die WHO auch folgerichtig zur psychotherapierung der Geschädigten: Die Zurichtung der Leidenden zu (wieder) funktionstüchtigen Konkurrenzsubjekten, das Aufsuchen und finden der vermeintlichen Ursachen für die Erkrankung im Subjekt selbst ist für die Befürworter dieser Wirtschaftsordnung eben allemal einträglicher als zu fordern, die Einrichtung Lohnarbeit gewerkschaftlich anzugehen.

     

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    Alternative Hochschulgewerkschaft für Frankfurt in Gründung – Gewerkschaftsinitiative unter_bau startet Organisierungprozess an der Goethe-Universität

    Gepostet von fauma4 am 23. April 2016

    unter_bau: Alternative Hochschulgewerkschaft für Frankfurt Heute geht die Gewerkschaftsinitiative unter_bau erstmals an die Öffentlichkeit. Dabei handelt es sich um einen  Zusammenschluss rund 50 Hochschulangehöriger aus  unterschiedlichen Statusgruppen, die seit knapp einem Jahr den Aufbau einer  alternativen Gewerkschaft für den Frankfurter Hochschulbereich vorbereiten. Die angestrebte Gewerkschaft soll alle Angestellten- und Statusgruppen der Universität umfassen und nach partizipatorischen und föderalen Prinzipien funktionieren. Insbesondere will die Initiative die Organisation nicht auf die klassischen Gewerkschaftsfelder beschränken, sondern darüber hinaus (hochschul-)politisch auf die allgemeine Verfasstheit der
    Universität Einfluss nehmen. Als perspektivisches Ziel benennt die Initiative eine grundlegende Transformation der Hochschule in eine basisdemokratische Selbstverwaltung.

    „Wer Arbeitsverhältnisse, Studienbedingungen und die  gesellschaftliche Funktion der Hochschule insgesamt verändern möchte, der muss auch die Strukturen aufwühlen, die dem zugrunde liegen“, erklärt Anna Yeliz Schentke, Pressesprecherin der Initiative. „Für uns heißt das, in alltäglichen Auseinandersetzungen neue Bildungspraktiken, Arbeitsbeziehungen und  Entscheidungsstrukturen zu etablieren, die an die Stelle der alten Hochschulordnung treten können“, ergänzt Manuel Müller, ebenfalls Pressesprecher der Initiative. „Aufgrund dieser  Zusammenführung von Gewerkschaftsarbeit und Hochschulpolitik sprechen wir von einer Gewerkschaft anderen Typs“, so Müller weiter.

    Im vorläufigen Programm der Initiative werden zahlreiche Missstände benannt, die die Gewerkschaft kurz- und mittelfristig überwinden möchte. Dazu zählt etwa das Outsourcing verschiedener Dienstleistungen und Angestellter, eine fehlende  tarifliche Absicherung der Hilfskräfte, die Prekarisierung des wissenschaftlichen Personals durch ständige Befristung sowie die Geschlechterhierarchien in allen Bereichen. Langfristig ist das Ziel eine umfassende Demokratisierung der Hochschule, die die Initiative gegenwärtig als „Ständesystem“ bezeichnet. „Uns schwebt eine sozial ausgerichtete Hochschule vor, in der die Angehörigen aller Statusgruppen gleichberechtigt sind, die offen nach außen ist und mehr Raum für kritische Forschung und Lehre bietet“, so Schentke.

    Für das Ende des laufenden Semesters hat die Initiative einen Gründungskongress für die Gewerkschaft anvisiert. Bis dahin will sie den Organisierungsgrad soweit vorantreiben, dass sie effektiv in die Tarif- und Hochschulpolitik eingreifen kann. „Angesichts des großen Zulaufs an Interessierten, den wir jetzt schon haben“,  schätzt Müller, „sind wir zuversichtlich, dass der unter_bau schon  bald nicht mehr aus der Goethe-Universität wegzudenken sein  wird“.

    Frankfurt am Main, 20. April 2016

     

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    Gegen die eigenen Interessen: Zum Wahlergebnis der AfD im Mannheimer Norden

    Gepostet von fauma4 am 18. April 2016

    Was immer man von Wahlen und ihrer Effektivität (Ändern sie was? Wenn ja, was ändern sie? Und wie viel Veränderungspotential steckt in ihnen?) hält, in jedem Fall erschreckt das Wahlergebnis der extremistischen sogenannten „Alternative für Deutschland“ bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Allgemeinen, denn diese Wahlergebnisse sind als ein deutliches „Nein“ zu emanzipatorischen und sozialen Werten – Freiheit, (soziale) Gleichheit und Solidarität – zu verstehen.

    http://www.scharf-links.de/uploads/pics/nicht_volk_sondern_klasse_03.jpg

    Im Besonderen erschreckt das Ergebnis im Norden Mannheims, denn hier haben wir es nicht mit der klassischen Klientel der AfD – der sogenannten „Mittelschicht“ – zu tun, sondern von der Bevölkerungsstruktur mit Arbeiter*innen. Und diese Arbeiter*innen haben in der Vergangenheit mit überwältigender Mehrheit die ihr traditionell angestammte Partei gewählt: Die SPD. Auch das wollen wir an dieser Stelle nicht bewerten, sondern lediglich feststellen: Das bisherige Potential der Wähler*innen der Sozialdemokratie weist auf traditionelle Bindungen der Arbeiter*innenschaft hin, die eben (ob nun zu Recht oder zu Unrecht) mit den oben genannten Werten einhergeht. Diese traditionelle Bindung war auch in der aktuellen Landtagswahl noch zu spüren: Mit 22,2 Prozent der abgegebenen Stimmen holte die SPD hier immer noch das beste Ergebnis in Baden-Württemberg und lag 0,8 Prozent hinter den Neurechten. Dennoch bleibt eine zentrale Lehre aus dieser Wahl wie auch aus den Wahlen allgemein seit 2005: Agenda 2010, Privatisierungspolitik, Hartz I – IV usw. „hat die demokratisch-sozialstaatlich orientierten ArbeitnehmerInnenmilieus von der SPD entfremdet und teilweise paralysiert“ (express 4/2016: S.4).

    Die AG Wahlbeobachtung des express weist allerdings allgemein darauf hin, dass die AfD insgesamt vor allem von Arbeitern (bei Frauen allgemein weniger) überdurchschnittlich oft gewählt wurde – und zwar häufiger von Gewerkschaftsmitgliedern als von Nicht-Gewerkschafter*innen (ebd.: S.5)!

    Um das Ergebnis zu analysieren, ist auch durchaus in dem Wahlkreis Mannheim Nord noch zu differenzieren: Die meisten Stimmen erhielt die AfD auf der Schönau und in Vogelstang, mit um die 30 Prozent nahezu doppelt so viel wie in der Neckarstadt. Das ist nun allerdings überhaupt kein Grund zur Beruhigung, denn es weist erst recht darauf hin, dass die traditionellen Arbeiter*innenviertel extrem rechts gewählt haben, während die Stadtteile mit einem städtischen „hedonistischen“ Milieu etwas weniger anfällig waren (auch 15,7 bzw. 17,2 Prozent für eine Partei des rechten Randes sind ja schließlich schon alarmierend!).

    Auffällig ist sicherlich, dass die AfD dort ihren größten Erfolg feiern kann, wo der Rechtsextremismus eine gewisse Tradition hat – auf der Schönau, wo 1992 ein Flüchtlingsheim brannte und in den 1990ern „die Republikaner“ Erfolge feiern konnten. Und das nun in einer Situation, die auch der FAZ auffällt: Hier wohnen die Menschen, die vom Arbeitsplatzabbau bei Bombardier und General Electric betroffen sind. Allerdings hat die AfD sich damit weder beschäftigt, noch hat sie Lösungen, noch scheint sie das überhaupt zu interessieren. Und so kommt die FAZ wie fast alle anderen zu dem Schluss: Es ist eine Protestwahl gegen die Flüchtlingspolitik. Das erklärt aber überhaupt nicht, warum ausgerechnet der Mannheimer Norden dermaßen rechts wählt.

    Eine mögliche Antwort auf die Frage finden wir vielleicht in der Studie „Die verlorene Zukunft der Arbeiter: Über die Peugeot-Werke in Sochaux-Montbéliard“ von Stéphane Beaud und Michel Pialoux, auf deutsch 2004 erschienen. Die Autoren sehen in den betrieblichen Veränderungen – Umstrukturierung, Umzug und Blockade von Aufstiegschancen – Hintergründe des politischen Rechtsrucks in der Region. Aufgrund dieses betrieblichen Wandels, dem ein gesellschaftlicher Wandel folgt (Flucht aus der Fabrik, Generationenkonflikte) entwickele sich ein spezifischer „Arbeiter-Rassismus“, der in einer Abgrenzung von den „kleinen Migrant*innen“ besteht und zur Wahl des Front National treibt, andererseits aber im Betrieb durchaus linke Mehrheiten zulässt. Übertragen auf den Mannheimer Norden heißt das: Wir reden von Betrieben, die eine durchaus kämpferische Tradition haben, in denen aber gerade nachwachsende Generationen immer mehr das Gefühl haben müssen, dass das unausweichliche Ende mit Schrecken höchstens herausgeschoben werden kann. Nichtsdestotrotz traut man den Gewerkschaften hier noch Handlungspotential und Gestaltungsmacht zu, die man von mehr oder weniger linken Kräften in der Politik einfach nicht mehr erwartet.

    Dass gewerkschaftlich organisierte Arbeiter*innen durchaus rechts und rechtsextrem wählen, muss letztlich (leider) nicht verwundern. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Front National und der AfD: Anhänger*innen des FN haben, wie kürzlich eine Umfrage herausfand, eine deutlich positivere Meinung von Gewerkschaften als Anhänger*innen konservativer oder anderer rechter Parteien. Das liegt u.a. daran, dass der FN sich seit den 1980er Jahren von einer neoliberalen Partei in eine populistisch national-soziale Partei gewandelt hat: Der FN „kümmert“ sich durchaus um die Anliegen der Arbeiterklasse, wenn auch in populistischer und verkürzter Weise. Die AfD dagegen hat genau den extrem-neoliberalen Duktus, der den sozialen Anliegen der Arbeiter*innenklasse feindlich gegenübersteht.

    Die außergewöhnlich hohe Stimmenabgabe für die rechtsextreme AfD im Mannheimer Norden kann schlussendlich nicht nur durch eine abwertende Haltung gegenüber Flüchtlingen oder auch Migrant*innen allgemein erklärt werden, obwohl dies sicherlich kein zu unterschätzender Aspekt ist. Die erstarkende Deindustrialisierung Mannheims – die uns in den kommenden Jahren vor Probleme und Kämpfe stellen wird, wie sie im Ruhrgebiet in den 1980er Jahren stattfanden – und die politische Ratlosigkeit ob dieses Problems sowie die Erodierung eines klassisch-sozialdemokratischen Milieus (die sich auch darin äußert, das, wer „links“ wählen möchte, sich seltsamerweise auf die Grünen besinnt), die ursächlich mit der sozialdemokratischen Politik seit der Schröderschen Wende zusammenhängt, spielen ebenfalls eine herausragende Rolle.

    Die AG Wahlbeobachtung des express folgert, diese „politische Haltung“ müsse „etwas mit einem Bewusstsein zu tun haben, das von vorneherein auf Ausschließung und Betonung eigener Identität und Interessen ausgerichtet ist“ (express 4/2016: S.6) – leider nicht auf eine einschließende Klassenidentität, die nach wie vor die sinnige Alternative für globale Gerechtigkeit wäre.

    Teodor Webin